Die Idee von der Artonomie

Künstlergespräch: Atelier für Sonderaufgaben Teil 8

Mit:
Frank und Patrik Riklin . Hannah Philomena Scheiber . Nina Gospodin
Aufgenommen am 6.9.2016 | Zuerst publiziert am 26.03.2016 auf www.dusagst.es

Im Folgenden findest du meine Lieblingspassagen aus dem Gespräch. Die hier verwendeten Fragen habe ich im Nachhinein zur Strukturierung hinzugenommen. Ansonsten ist der Text nur minimal für die Lesbarkeit angepasst und entspricht weitgehend dem Wortlaut von Frank und Patrik Riklin aus der Aufnahme.

Die Künstler Frank und Patrik Riklin erklären ihre Idee vom Feld der Artonomie

Wir realisierten, dass das Null-Stern Hotel eine viel größere Wirkung außerhalb des Kunstbetriebes erreicht, wenn man es eben so installiert, wie wir es installiert haben. Ab 2007 haben wir unsere Ausstellungstätigkeit beendet. Seit diesem Moment geht unsere Kurve, ohne dass wir es wussten und gewollt haben  - über ArtFacts gibt es so ein Ranking – es gibt so eine Kurve im System und wenn man Erfolg hat, dann hat das Einfluss auf die Erfolgskurve. Diese Kurve ist natürlich bie uns gesunken, weil wir natürlich nicht mehr teilnehmen am Betrieb, keine Referenzen haben, keine Rezension. Wir bekommen keine Punkte mehr. Aber das finden wir eben so spannend, wie der Kunstmarkt und das System funktionieren.

Wenn wir da die beiden Achsen haben: da haben wir den Erfolg und da haben wir die Zeit. Die Kunstkurve, die macht bei uns so: die war mal in einer gewissen Höhe, weil wir ja ausgestellt haben. War relativ erfolgreich, wie auch immer. Auf jeden Fall, Tatsache ist sie sinkt. Und das Interessante für uns in der Reflexion war zu realisieren, dass es noch eine weitere Kurve gibt. Nämlich die persönlich Kurve jenseits vom System Kunst. Jeder hat die, wenn man so möchte. Wir haben die auch. Das ist die Kurve, die steigt. Unser persönlicher Erfolg hat natürlich zugenommen durch die

Befreiung.  Auch durch die Vernichtung von etwas, das einem nicht gefällt. Das ist eigentlich ein Luxus, diese persönliche Verwirklichung. Die Kurve hat zugenommen, gerade durch die Verneinung von etwas. Dadurch gibst du dir ein Profil. Das macht Spaß, wenn du plötzlich merkst, was du eigentlich willst und was du nicht willst. Das gibt natürlich eine gewisse Spannung. Diese beiden Linien haben sich irgendwann getroffen. Das war im Jahr 2008. Dieser Punkt war eigentlich das Null-Stern-Hotel. Dort haben wir zum ersten Mal realisiert, dass eigentlich die Kunst ein unglaubliches Potenzial hat für die Gesellschaft. Also für verschiedene Bereiche, aber am Wenigsten wahrscheinlich für die Kunst selber. Dadurch entstand dieses strategische Handlungsfeld.

Durch diese beiden Kurven, die sich überschnitten haben irgendwann und durch das Bewusstsein, wird dieses Feld immer größer. Die Kunstkurve nimmt immer mehr ab, weil wir immer noch mehr verschwinden. Aber diese Kurve steigt immer mehr und mehr. Es wird immer mehr Raum geben für unsere Kunst – jetzt ein bisschen phantastisch gesprochen. Genau hier drin können wir heute als Künstler ganz anders agieren und auch ganz viele Impulse geben. Da drinnen ist auch ganz viel Budget vorhanden plötzlich. Wir überleben genau durch diese Strategie. Das ist das Feld des Artonomisten.

Kunst_Kurve_Atelier_fuer_Sonderaufgaben_kanal_fatal_podcast_aufnahme_2015

Zur Rolle von Kunst außerhalb des Kunstbetriebes

Die Rolle des Künstlers außerhalb des Betriebes ist ein hochspannendes Thema. Ist in der Kunstgeschichte auch immer ein Thema gewesen. In dieser Form, wie wir Kunst praktizieren und sie plötzlich eine Form kriegt: die Kunst von uns ist nicht in Form einer Straßenskulptur auf einer Insel. Sie wird eben nicht als Objekt verstanden, das zwecklos daher kommt. Wir wollen, dass sie eine Funktion kriegt, dass sie Handlung kriegt, eine Situation, eine Wirklichkeit schafft, die eben wirklich auch Auswirkungen und Nebenwirkungen hat. Das ist für uns natürlich eine extrem spannende Erkenntnis, dieses strategische Feld.

Der Begriff der Kunst ist vielleicht sogar gefährlich, weil man dadurch sehr voreingenommen ist und viele Leute gar nicht erreicht. Deshalb haben wir oft auch gesagt, es ist egal ob man das als Kunst oder Nicht-Kunst

wahrnimmt. Hauptsache ist, sie ist real und sie erzielt eine Wirkung. Und eben auch die Kompatibilität, dass sie Bestand haben könnte. Dass sie Teil wird der Gesellschaft. Weil einfach einen Tag lustig sein, irgend etwas anderes ausprobieren, das ist nicht Kunst. Das kann man eben nicht machen. Die Frage ist, wie stark sie ist und wie sehr sie Konventionen sprengt. Die Menschen beeinflusst, dass Momente entstehen, die Einfluss haben auf das gesamte System. Wahrscheinlich ist es wirklich das Feld der Artonomie. Artonomische Strategien, wenn man das vielleicht später, in zehn Jahren irgendwo in einem Buch liest.

Dann versteht man darunter vielleicht: Aha! Okay, das sind eben die Künstler, die die Bilder auf eine andere Weise malen und zwar beispielsweise, wenn’s um ein Unternehmen geht. Plötzlich entstehen andere

Unternehmen dadurch, die eben nicht nach Wachstum streben. Unternehmen, die nach dem Sinn streben etwas zu tun, was eben Sinn macht. Da haben wir natürlich eine interessante Zeit erwischt, wo wir natürlich mit dieser Idee ‚Artonomie‘ agieren können. Wo auch die Gesellschaft weiß, dass sich etwas ändern muss, dass sie umdenken sollte.

Ein artonomisches Wirtschaftssystem, das wäre cool. Also, wo eben nicht das System Geld regiert, sondern das Wesen der Kunst. Daraus entstehen dann unglaubliche Dynamiken.

 

Logo Kanal Fatal Footer

Künstlergespräche | Kunst Podcast | Online Atelier

Künstlergespräche | Kunst Podcast | Online Atelier

Link zu Instagram Nina Gospodin
iconfinder_Circled_Youtube_svg_5279120
iconfinder_Circled_Facebook_svg_5279111
iconfinder_Circled_Linkedin_svg_5279114

IM ONLINE ATELIER DER KÜNSTLERIN NINA GOSPODIN FINDEST DU KREATIVE INSPIRATION AUS GESPRÄCHEN MIT INSPIRIERENDEN MENSCHEN, KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLERN.

© 2020 Nina Gospodin