Das sagen die beiden Künstler über Inspiration und Mut

Künstlergespräch: Atelier für Sonderaufgaben Teil 6

Mit:
Frank und Patrik Riklin . Hannah Philomena Scheiber . Nina Gospodin
Aufgenommen am 6.9.2016 | Zuerst publiziert am 26.03.2016 auf www.dusagst.es

Im Folgenden findest du meine Lieblingspassagen aus dem Gespräch. Die hier verwendeten Fragen habe ich im Nachhinein zur Strukturierung hinzugenommen. Ansonsten ist der Text nur minimal für die Lesbarkeit angepasst und entspricht weitgehend dem Wortlaut von Frank und Patrik Riklin aus der Aufnahme.

Wo findet ihr Inspiration?

Wir machen jetzt gerade in Zürich eine Arbeit, die wir dann im November eröffnen werden unter dem Titel SOCIAL URBAN ZONE. Das ist in Form eines zentralen Elementes: ein Trunkbrunnen, der nur so gut fließt, wie sehr sich die Besucher auf die Social Urban Zone einlassen. Da versuchen wir eigentlich genau das zu transplantieren: die Lust des Unüblichen. Aufzubrechen. Die Möglichkeit zu schaffen und die Option zu schaffen, nicht indem man den Leuten über ein Dogma oder eine Manifestation sagt: „So, jetzt müsst ihr das und das machen, sonst fließt der Brunnen nicht!“ Es ist nur eine Option. Wenn sie wollen, dass der Brunnen fließt, haben sie Möglichkeiten den Brunnen zum Fließen zu bringen. Das ist übrigens eine Phantasie aus der Kindheit, aus einem Kasperl-Theater. In Wien kennt man

das ja auch. [...] Da gibt’s eine Geschichte über ein Kamel, das durch die Wüste treibt und nur an Quellen vorbeigeht, wo heißer Kaffee rauskommt. Und das Kamel sagt immer: „ Ich möchte doch lieber Wasser.“ Das hat uns immer so beeindruckt als Kinder - nur Wasser. Es kommt immer heißer Kaffee, eine Flüssigkeit, die man nicht unbedingt will, wenn man Durst hat. Und daraus haben wir jetzt dieses Kunstkonzept geschrieben und jetzt auch umgesetzt. Wo wir versuchen das Unübliche zu institutionalisieren: was passiert, wenn eine Gesellschaft auf einmal Lust bekommt unüblich zu handeln? Wichtig ist einfach, dass man es einfach umsetzt. Durch das Umsetzen machst du die Erfahrung und bewegst gleichzeitig dich und andere. Durch die Umsetzung, sobald du das machst, schaffst du ja auch


die Situation. Und es wird etwas verschoben für einen ganz kurzen Augenblick. Daraus kann man schöpfen, sich inspirieren lassen. Wenn man so etwas statt nur einer Minute eben ein ganzes Jahr lang macht, was passiert dann? Was passiert innerhalb dieses Jahres, wenn ich es durchziehe? Bei all unseren Projekten, die wir gemacht haben, spielt das eine gewisse Rolle. Wie lange dauert etwas? Wie lange arbeitet man an einer Geschichte?Man sagt dann: in der Kürze liegt die Würze, oder eben in der Länge. Man kann beides so sehen. Es gibt zwar das Sprichwort, aber wir sagen immer: „In der Länge liegt die Würze, weil durch die Geduld und durch die Kontinuität entsteht ja eigentlich erst die Wirkung und die Ernsthaftigkeit.“

Braucht ihr als Künstler viel Mut für eure Arbeit?

Weil wir überzeugt sind von dem, was wir machen, brauchen wir auch keinen Mumm mehr. Es ist ja unsere Aufgabe das zu tun. Viele sagen dann: „Ah! Ihr seid aber mutig, was ihr da macht.“ Und ich sag dann: „Ja, aber ich brauche mehr Mut für Sachen, wo ich nicht dahinter stehe. Also, wenn ich jeden Tag in den Spiegel schauen müsste und sagen: Hey, was machst du da für einen

Scheiß in diesem Leben? Was produzierst du eigentlich?“ Das braucht Mut. Jeden Tag auf der Bühne zu stehen und etwas zu vermitteln, was ich eigentlich nicht unterschreiben kann, das braucht Mut. Aber auf der Bühne zu stehen und vor Leuten zu stehen mit etwas, das innerlich notwendig raus muss - dann muss ich keinen Mut haben.

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