Wo wird Konzeptkunst richtig interessant? Frank und Patrik Riklin erzählen, worauf sie in ihren Konzepten achten.

Künstlergespräch: Atelier für Sonderaufgaben Teil 5

Mit:
Frank und Patrik Riklin . Hannah Philomena Scheiber . Nina Gospodin
Aufgenommen am 6.9.2015 | Zuerst publiziert am 26.03.2016 auf www.dusagst.es

Im Folgenden findest du meine Lieblingspassagen aus dem Gespräch. Die hier verwendeten Fragen habe ich im Nachhinein zur Strukturierung hinzugenommen. Ansonsten ist der Text nur minimal für die Lesbarkeit angepasst und entspricht weitgehend dem Wortlaut von Frank und Patrik Riklin aus der Aufnahme.

Zur Konzeptkunst: Wann wird ein Konzept spannend?

Ich finde es bleibt ja offen, obwohl es ein Konzept gibt. Sobald du etwas umsetzt, kommen ja andere unvorhergesehende Geschichten oder Dinge dazu, die du nicht planen kannst. Entscheidend ist, wie du umgehst mit den Problemen, die da aufkommen. Was ja auch etwas Schönes ist. Wir sagen oft einfach auch – wer hat das gesagt, irgendein Philosoph, Bazon Brock, genau: Macht keine Kunst, sondern schafft Probleme. 

Oft in unserer Arbeit entstehen ja Probleme. Das ist ja das Spannende daran. Wie man damit umgeht ist ja das Entscheidende. Mir ist gerad vorhin noch etwas eingefallen – Konzeptkunst. Totsichere Konzepte sind langweilig.

Sobald du genau weißt, wohin das Ganze führt und es ist eigentlich logisch und voraussehbar, ist es langweilig. 

Aber nicht zu wissen was dahinten entsteht! Die Konzeptanlage hat schon ein Spielfeld, das wir definieren und in diesem Kontext findet unsere Arbeit statt. Die Phantasie ist ganz klar formulierbar. Die Frage, wie du die Phantasie in die Realität übersetzt, ist was ganz anderes, weil dann kommen erst die Probleme.

Über Konzept und praktische Umsetzung am Beispiel des Projektes: BigNik

Wenn wir da schreiben im Konzept: wir sammeln Tücher aus der Bevölkerung als Ressource, weil wir haben kein Budget. Wir fragen die Leute, ob sie uns as zur Verfügung stellen. Im Konzept kannst du das schreiben. In der Realität sieht das ein bisschen anders aus. Aber das ist genau das Spannende. Dass man einfach losgeht und beginnt zu sammeln. Und auch wenn man nur ganz langsam voran kommt, man ist bei der Sache. Genau das ist das Spannende. Viele Leute sagen dann: Oh! Ihr seid aber lange dran. Ja, genau das ist ja das Konzept.

Wir machen uns keinen Stress. Wir sind einfach dran. Durch diese Haltung entsteht vielleicht auch dann die Motivation mitzumachen, ohne dass man überhaupt 

groß verkaufen muss. Wir gehen dann einfach los. Wenn man dann von Methodik oder Hilfsmittel spricht, dann ist das eben genau die Methode.

Man geht einfach einmal ans erste Haus und kommt ins Gespräch und ist einen ganzen Nachmittag im Dachstock. Die Frau, die uns das Leinentuch gibt, erzählt uns auch gleich noch die ganze Lebensgeschichte, die mit dem Tuch verknüpft ist. Dann ist genau dieser Teil der spannende Teil des Konzeptes. Dass man eben viel Zeit investieren mss in ein einzelnes Tuch. Dadurch hat das Tuch auch viel, viel mehr Wert. Das wiederum dient dann der Kommunikation. Wenn wir solche Dinge den Medien  beschreiben, dass man eben von der „Neuen 

Effizienz“ spricht und wir sagen dann die Effizienz, die wir an den Tag legen ist eigentlich die ineffiziente Effizienz. Weil wir lange unterwegs sind für ein Tuch. Das könnte man natürlich auch optimieren, aber das ist dann eben nciht mehr Konzept, weil genau diese Offenheit wichtig ist. Emotion entsteht in der Umsetzung. Die ist ja so wichtig. Die braucht Zeit. Die Emotion lässt sich nicht optimieren. Du kannst nicht sagen: okay, wir können jetzt miteinander reden und bitte habe Emotionen und ich hab nur vier Minuten Zeit. Dann stirbt der Zauber. Das ist eben, finde ich, ein ganz wichtiger Punkt in unserer Arbeit.

Zum Begriff ‚Artonomie‘

Was uns heute wirklich beschäftigt ist die „Artonomie“. [...] Viele Leute sagen zu uns: ja, ihr seid einfach Standortmarketer. Wie die anderen, oder?! Und wir sagen dann: ja, du kannst das schon so sehen. Ich habe keine Berührungsängste mit Marketing. Standortmarketing kann man so auslegen und anders. Aber wenn wir als Künstler mit der gleichen Identität agieren - wie wir eben als Künstler agieren müssen - dann ist das doch eine Win-Win Situation. Dehalb auch diese Wortschöpfung „Artonomie“.

Indem man sich überlegt über Kunst zu diskutieren, beginnt es dann auch müßig zu werden. Dann sagen wir aber manchmal auch, das kommt doch überhaupt gar nicht darauf an. Das Wichtigste ist die Wirkung, die wir erzielen mit unserer Arbeit. Man kann jetzt auch einfach sagen, wir sind Arbeiter. Aber heute sagen wir eben lieber, wir sind Artonomen, oder Artonomisten. Wir können diese Wortschöpfung jetzt auch langsam beschreiben. Wir sind vielleicht eben nicht klassische Künstler. Vielleicht sind wir auch wirklich etwas anderes.

Aber für uns ist es unsere Kunst.

Aber wir haben jetzt nicht die Anfragen aus dem Kunstbetrieb, die wollen jetzt unbedingt eine Ausstellung machen mit uns. Die Leute im Kunstbetrieb sind natürlich verunsichert: wie gehen wir mit diesen Riklins um?! Es ist wahrscheinlich einfach zu sagen: okay, das ist Werbung, was die machen. Das sind keine Künstler mehr.

Machium statt Studium

Wir sagen heute auch oft: Machium statt Studium. Also im Machen sind wir sehr gut. Das steckt in uns drinnen.

Aber wir haben ja auch 15 Jahre gebraucht, bis wir es so formulieren können. Unsere Stärke ist wirklich im Machen und in der Intuition. Wir leben eben diese Portion Naivität, die du als Kind hast. Die leben wir heute noch. Es gibt diese brisante Mischung zwischen intellekt, Naivität und Konzeption. Oder das Feld des Inhalts. Wenn das irgndwie zusammenkommt, dieses Spielerische.

Eben auch dieses Zulassen. Zufälliges zu involvieren.

Zu integrieren und nicht irgendwie stur etwas durchzuziehen, was man sich jetzt ausgedacht hat. Zu reagieren auf das Umfeld und das Momentum. [...]

Wir haben übrigens noch einen anderen Begriff, der Lust macht, aber der kommt vom Machium statt Studium. Also: Macheting statt Marketing. Viele Leute machen ja Marketing so ganz strategisch. Ich sag jetzt mal das plakative Poster. Sobald du daran kratzt, ist es nur Fassade. Aha! Es ist eben nur Marketing. Wir sagen immer, das Macheting ist viel stärker, weil es eben über das Machen geht. Also „Corporate Acting“, nicht nur „Corporate Identity“. 

Logos, schöne Gestaltung und irgendwie richtige Farben und wir tragen nur Krawatten in violett. Das Corporate Acting ist eigentlich entscheidend. Das Verkörpern eines Inhalts. Das kommt nur über die Praxis, über das Machium. [...] Dann ist es eben nicht die Theorie, die siegt, sondern die Praxis. Das ist immer der Moment, wo alles überwiegt. Da muss man auch keine Erklärung abgeben. Da muss man auch nicht erklären, was man macht, sondern die Leute erleben etwas und es ist authentisch in dem Moment. Authentizität muss man auch nicht beschreiben. Das spürt man. Das ist dann wirklich. Das ist echt.

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